Mein Opa hatte eine ganz einfache Lebensphilosophie. Wenn etwas kaputt ist, schraubt man es auf und guckt hinein. Dann schraubt man es wieder zu, und es ist wieder ganz.
Natürlich hatte mein Opa es leicht, damals, denn es gab noch keine Computer, in die man heutzutage ständig neue Komponenten einbringen kann, soviel und sooft man will. Wenn man es denn kann. Alles andere wirft man weg, Bügeleisen, Bohrmaschinen und sogar Unterwasserkameras, wenn einfach nur der Film voll ist. Lediglich Computer werden ständig auf- oder umgerüstet, wie das jetzt heißt, das auf- und wieder zuschrauben. (Fachkräfte werden an dieser Stelle ahnen, daß ich diesbezüglich wenig Erfahrung habe.) Meinem Opa hätte das nicht gefallen, dieses Wegwerfen. Im Gegenteil, als es seinerzeit die ersten Dinge zu kaufen gab, die man nicht mehr aufschrauben konnte, die statt dessen fest verschweißt waren, blieb ihm das bis an sein Lebensende unbegreifbar. In gewisser Weise verlor er den Glauben an diese Welt.
Mein Opa ist jetzt schon lange tot, über dreißig Jahre, und heute scheine ich endlich einmal alles richtig gemacht zu haben. Ich habe einfach den Subwoofer geöffnet, der neulich auf dem Balkon den Geist aufgegeben hat. Schon eine ganze Weile hatte es geknirscht, immer, wenn man den Laufstärkeregler auf- oder zudrehte. Kein gutes Zeichen, das weiß jeder. Letzte Woche dann kam der Sound nur noch aus einem der beiden Satelliten. Exitus!
Von wegen. Eben habe ich das Ding kurzentschlossen aufgeschraubt. Immerhin, die Holzbox wird mit Schrauben zusammengehalten. Das hätte meinem Opa gefallen. Dann habe ich ein bißchen an den feinen verlöteten Kabeln gedreht, an den kleinen Dingern auf diesem Board, was immer das alles sein mag, herumgebogen und schließlich alles wieder zugeschraubt. Ein Schraubendreher mit Magnetspitze ist dabei sehr hilfreich, soviel steht fest.
Jetzt geht die winzige grüne Lampe nicht mehr, die bislang angezeigt hat, daß die kleine Baßbox eingestaltet ist. Aber der Sound ist wieder voll da