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archiv: September 2006

Licht und Liebe II (a & b)

27. September 2006 - 11:12

(a)

Er: Gibst du mir mal die Brille.
(Pause)
Nicht die. Die Sonnenbrille.
Sie: Die mußt du haben. Hier ist jedenfalls keine.
Er: (genervt) Hier auch nicht. Ich hab dir heute morgen extra noch gesagt, du sollst sie einpacken.
Sie: (gereizt) Was hab ich mit deiner Sonnenbrille zu tun?
Er: Als du im Bad warst, beim rasieren. Als ich mit der Reiseleitung telefoniert hab. Weißt du?
(Pause)
Noch vor dem Frühstück.
(Pause)
Wegen der Lampe. Hab ich doch gesagt. Weil die Lampe die ganze Nacht ins Zimmer leuchtet, daß ich nicht schlafen kann. Außerdem surrt sie. Tagsüber achtet man ja nicht drauf. Da ist man ja auch nicht im Zimmer, da ist man unterwegs, normalerweise. Aber nachts. Das hab ich dir aber gesagt, die ganze Zeit schon. Diese blöde Lampe. Ruiniert alles.
(Pause)
Sie: (neutral) Also ich schlafe gut.
Er: Du schläfst immer. Egal, was ist. Da könnte die Welt untergehen.
(Pause)
Jedenfalls hab ich dir das mit der Sonnenbrille gesagt. Definitiv. Du warst schließlich sowieso gerade im Bad. Und ich war beschäftigt.
Sie: Ich weiß von nichts.
Er: Und jetzt?
(Pause)
Sie: Was jetzt?
(Lange Pause)
Er: Gibst du mir mal die Sonnencreme.

(b)

Sie: Gibst du mir mal die Brille.
(Pause)
Nicht die. Die Sonnenbrille.
Er: Die mußt du haben. Hier ist jedenfalls keine.
Sie: (genervt) Ich hab dir heute morgen extra noch gesagt, du sollst sie einpacken.
Er: (ruhig) Weiß ich nichts von.
Sie: Als du im Bad warst, beim rasieren. Als ich telefoniert hab. Weißt du?
(Pause)
Noch vor dem Frühstück.
(Pause)
Wegen der Lampe. Die Lampe, hab ich doch gesagt. Weil die die ganze Nacht ins Zimmer leuchtet, daß man unmöglich schlafen kann. Außerdem surrt sie. Tagsüber achtet man ja nicht drauf, da ist man ja auch nicht im Zimmer. Da ist man unterwegs. Normalerweise. Oder etwa nicht? Aber nachts. Das hab ich dir wirklich gesagt. Die ganze Zeit schon. Diese blöde Lampe. Ruiniert alles.
(Pause)
Irgendwie hätte ich auch gedacht, daß du dich darum kümmern würdest. Wolltest du nicht gestern schon mit der Reiseleitung gesprochen haben?
Er: (abwiegelnd) Hab ich vergessen. Außerdem schlafe ich gut. Diese Lampe. Die hab ich noch gar nicht bemerkt.
Sie: Du schläfst immer. Egal, was ist. Da könnte die Welt untergehen
(Pause)
Jedenfalls hab ich dir das mit der Sonnenbrille gesagt. Heute morgen. Definitiv.
Er: (entschuldigend) Ich weiß aber von nichts.
(Pause)
Sie: (kühl) Kannst du nicht einmal aufpassen, was ich sage? Mir ein bißchen zuhören? Oder mitdenken vielleicht? Nur ein ganz kleines bißchen, mehr verlange ich doch gar nicht. Mich einfach ernst nehmen. Nur einmal. Wie wär das?
(Lange Pause)
Gibst du mir mal die Sonnencreme.

Die schöne Leich

25. September 2006 - 20:22

Es gibt einen Grund, warum ich normalerweise nicht besonders gern in Umkleidekabinen aufhalte. Bislang war ich zwar der Meinung, daß diese Abneigung mit den Einkauforgien meiner Mutter zusammenhinge. Also die Zeit im Leben, in denen man altersbedingt noch gezwungen werden kann, über Stunden hinweg eine Stoffhose nach der anderen anzuprobieren, während man sich selbst vollkommen im Klaren darüber ist, daß es die alte Jeans durchaus noch eine Weile tut.

Neulich allerdings, unterwegs mit einer kaufrauschanfälligen Freundin, die mich tatsächlich zum Erwerb gleich zweier Hosen animierte, während sie selbst den Nachmittag unbeschadet überstand, – Guter Trick! – mußte ich feststellen, daß es durchaus noch andere Gründe gibt, Umkleidekabinen zu meiden. Auch heute noch.

Oder besser heute wieder.

So fand ich in fast allen im Laufe dieses tragischen Nachmittages besuchten Kabinen eine Doppelverspiegelung. Die zwei Spiegel auf engstem Raum sind eine durchaus naheliegende Installation, geht es doch darum, sich in Ruhe und ohne große Verrenkungen von allen Seiten betrachten zu können. In dem neuen Kleindungsstück, versteht sich, einer Hose, einem Rock oder sonst irgendwelchen Stöffchen. Nicht jedoch ohne etwas, wie bestürzt feststellen mußte, als ich meine Beine in gänzlich ungewohnter Perspektive und noch dazu von hinten sah.

Okay. Die junge, schöne Leiche gebe ich nicht mehr, definitiv.

Licht und Liebe I (a & b)

10. September 2006 - 18:22

(a)

Sie: (leise) Du?
Er: (neutral) Ja.
Sie: Es ist schon fast dunkel.
Er: Ja.
Sie: Das ist schön.
Er: Was?
Sie: (unsicher) Na ja. Jetzt, hier, so. Mit dir.
(Pause)
So still.
(Pause)
So vertraut.
(Pause)
So nah.
Er: (amüsiert) Im Dunkeln.
Sie: Genau.
Er: Ja, ja.
Sie: Etwa nicht?
(Pause)
Ist doch ein schöner Abend. So warm. Und mild. Und.
(Pause)

Er: Und der Mond.
Sie: Ja. Er leuchtet. So schön, so mild. Irgendwie zärtlich.
(Pause)
Findest du nicht?
(Pause)
Sag doch auch mal was.
(Lange Pause)
Er: Der Mond selbst hat eigentlich gar keine Leuchtkraft.
Sie: (enttäuscht) Du bist unmöglich.
Er: (beschwichtigend) Ich mein ja nur.
(Lange Pause)
Guck mal, ein Zug. Wie ein Lichtband, das durch die Nacht fließt. Lautlos.
(Pause)
Sie: (ernüchtert) Das ist eine S-Bahn.

(b)

Er: (unsicher) Du?
Sie: (neutral) Ja.
Er: Es ist wird dunkel.
Sie: Ja.
Er: Kommst du mit rein?
Sie: Jetzt schon?
Er: Es ist doch bald ganz dunkel.
(Pause)
Man sieht eh nichts mehr.
(Pause)
Ich mein ja nur.
Sie: (amüsiert) Im Dunkeln, ich weiß.
Er: Genau.
Sie: Wär ich selbst gar nicht drauf gekommen.
Er: Na ja.
(Pause)
Ich hätte da eine kleine Überraschung. Wenn du mit reinkommen möchtest.
(Pause)
Sie: Da ist der Mond.
Er: (enttäuscht) Stimmt. Er leuchtet.
(Pause)
Wie schön.
(Lange Pause)
Sie: Der Mond selbst hat ja eigentlich gar keine Leuchtkraft.
Er: Du bist unmöglich.
Sie: (ungerührt) Ich mein ja nur.
(Lange Pause)
Guck mal, ein Zug. Wie ein Lichtband, das durch die Nacht fließt. Lautlos.
(Pause)
Er: Das ist eine S-Bahn.