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archiv: Januar 2007

Nervennahrung

21. Januar 2007 - 12:13

Kohlraben hat meine Oma zu Kohlrabi gesagt. Zumindest habe ich das als Kind so verstanden. Kohlraben habe ich gern, bis heute, aber nur im Rohzustand. Ich vergesse nicht so schnell. Doch das waren andere Zeiten, damals. Kurz nach dem Krieg. Da war Zucker noch Nervennahrung. Das hat auch meine Oma gesagt. Und sie hat mir die schneeweißen Kristalle großzügig auf die Köllnflocken gestreut. Das hat mir gefallen, als Kind. Logisch.
Heute ist das ja alles viel komplexer mit der Ernährung. Zucker zum Beispiel ist seit langem verboten. Und Fleisch und Wurst. Sogar Salat, habe ich neulich gehört. Salat ist Nullnahrung, nicht besonders gesund. Also ist alles nur Image und Propaganda, einem tagtäglichen Wandel unterworfen. Zumindest, wenn man den Medien glaubt.
Ich glaube meiner Oma. Die hat übrigens auch gesagt, daß Dreck den Magen reinigt. So einfach ist das.

Jahresendgestalten (in der Berliner U-Bahn)

01. Januar 2007 - 22:31

25. Dezember, Weihnachten, Rückfahrt von einer Feier im sehr kleinen Kreis, ca. 3 Uhr morgens: kaum Menschen unterwegs, die meisten dösen oder schlafen friedlich, drei haben eine Bierflasche in der Hand, was jedoch in Berlin zu keiner Tages- oder Nachtzeit etwas besonderes ist.

30. Dezember, Rückfahrt von einer Nachweihnachtsfeier im größeren Kreis, U-Bahnhof Kottbusser Tor, gegen 4 Uhr morgens: gezählte Blutflecken auf dem Boden, vier, vielleicht fünf. (Einer ist unklar, könnte auch Scheiße sein.)

31. Dezember, Fahrt zur Silvesterparty, kurz nach 22 Uhr, U-Bahnhof Alexanderplatz: Menschenmassen, Gedränge und Geschiebe die Treppe hinauf, ein Mann hockt breitbeinig, ein wenig zusammengesunkenauch, auf einem der Drahtsitze und kotzt gelassen, ziemlich flüssig und gelb.

1. Januar, Fahrt von der Silvesterparty nach Hause, irgendwann zwischen 6 und 7 Uhr, wieder U-Bahnhof Alexanderplatz: normales Personenaufkommen, eine kleine Gruppe – drei Männer, zwei Frauen – alle haben Notenblätter in der Hand und singen mehrstimmig, während sie die Treppe hinaufgehen. Ein kleiner, blonder Mann in blauer Bomberjacke schlendert mir konsequent hinterher und glotzt, unangenehme Sache. Ein Typ ganz in schwarz kotzt im Stehen – auch flüssig, aber farblos – und hält sich dabei am Geländer fest, sein Kumpel wischt ihm mehrmals den Mund und die bekotzte Jacke ab, danach nehmen beide einen kräftigen Schluck zum Nachspülen und balgen ein bißchen. Wie Jungs eben so sind.