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archiv: September 2007

einen vogel töten (VII)

07. September 2007 - 23:05

schwarzer vogel. schwarzer rabe. du. bist geflogen. jetzt komm. mit mir. weiter. in dieser nacht. tiefer. in diese nacht. vogel. kalt ist. kalt. die jäger kommen. winterjäger. hunde. beißen. kälte. schwarzer rabe. daß ich dich gefunden habe. vogel. schädel. fliegen wir. fliegen. immer weiter. endlos. freiheit. ist ein schönes wort. für tod.

einen vogel töten (VI)

06. September 2007 - 16:46

wind. dunkler regen. heult. vogel. das ist meine nacht. nicht deine. vogelschädel. nichts sonst. nur knochen. strahlend weiß. und licht. nichts mehr zu holen. nur ich. heute nacht. die jäger. hunde. wollen mich. nicht dich. wollen nicht. töten. doch wollen mich. wissen nicht. können nicht. ich. bin schon tot. lange. tot. ich. seh dich fliegen. freiheit. ist ein schönes wort. keine angst. hab keine angst. nicht mehr, mein vogel. kleiner schwarzer vogel.

Die Dinge sind, wie sie sind. Ich akzeptiere das. Das heißt nicht, daß es leichter wird. Wenn Sie das glauben, sind Sie ein Idiot. Es ist schwer, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Verdammt schwer. Aber verdammt nötig. Niemand kommt umhin, die Konsequenzen zu tragen. Letztendlich. Sie nicht. Und ich nicht. Da ist es besser, zu wissen, wie die Dinge stehen. Denke ich. Es ist schon verrückt. Sie wollen nicht sehen. Stellen sich einfach blind. Und hätten doch alle Möglichkeiten. Ich kann nicht anders. Muß alles genau erkennen. Und ertragen. Hier. Was soll ich machen. Es hilft nichts. Sie schon gar nicht. Trotzdem. Ich sage Ihnen jetzt die Wahrheit. Das wird ihnen gefallen. Ich bin ein Vogel. Geworden. Hier. Wenn Sie einen Moment lang das Fenster aufmachen. Dann fliege ich. Sofort. Freiheit. Auch wenn ich es noch nie versucht habe. Ich würde es tun. Verstehen Sie? Nein. Ich verstehe es ja selbst nicht. Aber es ist schön. Ich glaube, Sie haben auch keinen Sinn für das Schöne. Wenn ich Sie so da sitzen sehe. Und schweigen höre. Nein. Sie haben es einfach nicht.

einen vogel töten (V)

05. September 2007 - 00:03

ich bleibe. bin frei. wie du. vogel. sprich. zu mir. du. toter vogelschädel. es wird dunkel. kalt. nachts bist du gestorben. wie ich. ich weiß. nachts. im regen. heute. ist es soweit. kein suchen mehr. finden. wiederfinden. daß ich dich gefunden habe. ist genug. vogel. schädel. lachst mich aus. totes lachen. freiheitslied. tote vögel. leben nicht. du nicht. ich nicht.

Sehen Sie mein Gesicht. Sehen Sie genau hin. Ich habe keine Angst mehr. Können Sie das erkennen? Natürlich nicht. Sie wollen es ja nicht. Aber das ist Ihre Arbeit. Die meiste Zeit in Ihrem Leben verbringen Sie mit solchen wie mir. Hier. Denken Sie darüber nicht nach? Nicht einmal das? Das kann ich nicht glauben. Sie denken doch. Oder nicht? Tatsächlich nicht. Das ist Scheiße, das sage ich Ihnen. Und Sie wissen das. Wenigstens das. Da bin ich sicher. Ich muß mich um das Denken nicht mehr kümmern. Das geht von selbst. Immerzu. Seit ich hier bin. Ich kenne den Tod. Er lebt bei mir. Wie ein guter Freund. Unsichtbar. Freundlich. Und still. Das ist der Unterschied zwischen uns. Ihnen und mir. Sie tun, als würden sie ihn kennen. Aber nur ich kann lachen. Sie nicht. Sie nehmen alles so wichtig. Als wäre ich verrückt. Und Sie wären normal. Daran glaube ich nicht. Ich bin nicht normal. Und Sie sind unverrückbar. Alles ist, wie es sein muß. Lassen Sie mich. Es bringt nichts. Nicht mehr. Die Zeit ist um. Alle Chancen verpaßt. Ich bin ruhig. Nicht einmal Sie können mich noch stören. Es gibt nichts zu verstehen. Ich bin, wo ich bin. Ich bin, wo ich hingehöre. Das ist auch meine Meinung.

einen vogel töten (IV)

04. September 2007 - 00:04

sprich. vogel. sprich. du. mit mir. wie früher. menschen reden nicht. können nicht. mit mir. nicht. kein mensch. mein kopf. schädel. wie tot. ohne federn. sie reden nicht. vogel. wie du. sie sind tot. wie du. nicht ich.

Was wollen Sie hören? Daß es mich freut, Sie sehen zu dürfen. Mit jemandem reden zu können. Tut mir leid. Kann ich nicht mit dienen. Ich weiß. Sie malen an Ihrem Bild. Sie sind ein Künstler. Es wird nicht besonders gut werden. Ihr Bild. Das hab ich Ihnen gleich gesagt. Sie haben es so gewollt. Kein Problem. Für Sie. Sie haben keine Probleme. Deshalb sind Sie hier. Versorgen sich mit den Problemen anderer. Das ist Diebstahl. Betrug. Sie sind ein Betrüger. Haben Sie darüber schon mal nachgedacht? Sie sind süchtig. Problemsüchtig. Süchtig nach menschlichem Leid. Gierig auf meine elende Geschichte. Wie auf all die anderen. Viel ist nicht dran. Verstehen Sie doch. Alles ganz normal. Wenn Sie wüßten, was alles normal sein kann. Wie weit das geht. Das Leben. Meins. Und alle anderen. Leben. Die Sie stehlen. Tag für Tag. Wenn Sie das wüßten. Wären Sie nicht hier. Aber Sie sind hier.

einen vogel töten (III)

02. September 2007 - 19:09

ich bin frei. vogel. wie du. das land. sie töten mich. wie dich. die jäger. hunde. wissen nicht. können nicht. daß ich dich finde. wiederfinde. vogel. hier. keine federn. kannst nicht mehr fliegen. keine haut. schädel nur. und knochen. würmer. auch nicht mehr. du bist tot. mein vogel. schädel. freiheit.

Sie wollen wissen. Von mir. Ich darf Ihnen erzählen, was ich will. Sie unterbrechen mich nicht. Sie machen sich ein Bild. Oder irgendwem anders. Ein Bild von mir. Sie sind so eine Art Maler. Oder Fotograf vielleicht. Das geht schneller. Viel Zeit haben Sie nicht. Ich bin tot. Ich habe niemanden getötet. Außer mich selbst. Aber das zählt nicht. Das eigene Leben ist nicht relevant. Ich habe lange geschwiegen. Jahre. Gewartet. Gelitten. Gehofft sogar. Auf das Leben. Das eine. Für mich. Mein Leben. Dann ist es passiert. Es war einfach. Und logisch. Ich war frei. Lebendig. Einen Moment lang. Ich bereue es nicht. Ich bin auch nicht stolz drauf. Aber es war Notwehr. Rache in Notwehr. Ich würde es immer wieder tun. Denke ich. Ja. Wenn ich noch einmal in der Situation wäre. Ich würde genauso handeln. Kein bißchen anders. Jetzt sind Sie schockiert. Und zeigen es nicht. Sie müssen es doch gewohnt sein. Hier sind doch alle wie ich. Aber Sie sind trotzdem schockiert. Jetzt. In diesem Moment. Ich sehe es Ihnen an. Ich spüre es nahezu. Höre es. Laut und deutlich. Ich war auch schockiert. Damals. Als es geschehen ist. Mit mir. Aber verstehen Sie. Ich hatte keine Wahl. Es geht immer nur vorwärts. Man kann sich nicht verkriechen. Nicht für immer. Auch wenn Sie das bestimmt gerne täten.