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archiv: Oktober 2007

Oma ist kalt

21. Oktober 2007 - 23:59

Eine ältere Frau mit zwei kleinen Kindern, die Oma vermutlich. Sie ruft hinter dem größeren Mädchen etwas hinterher. Mehrmals, immer dasselbe.
„Zieh den Reißverschluß hoch, es ist kalt.”
Das Mädchen reagiert nicht, wühlt statt dessen in der Auslage des Buchladens.
„Wo hast du dein Gehör, heute?” ruft die Oma schließlich. Dann wendet sie sich dem kleineren Jungen zu und bindet ihm den Schal fester.
„In mein Kopf, wo’s immer ist”, grummelt derweil das Mädchen.

Blauer Oktober

20. Oktober 2007 - 00:15

Draußen, der Himmel, die Sonne. Klar wie der Wind, der die Blätter von den Bäumen fetzt.
Und gegenüber auf dem Balkon, die Katze. Die eine, die immer im außen angebrachten Blumenkasten hockt. Hemmungslos in die Tiefe guckt, mit langem Hals. Spielt mit den welken Blumenresten, heute.
Was für ein Leben.

ZENDURA – Übung mit Schwert

07. Oktober 2007 - 19:56

barfuß
auf glut laufen
die flamme schüren
die klinge schmieden
gebranntes kind
liebt das feuer

ich achte das schwert
ich prüfe
die schärfe
ich weiß
den weg

nehm ich das schwert
in die hand
leg ich den bogen
weg
und wäge ängstlich
das kalte
vertraute
gewicht

mein schwert
ist die kraft
mein schwert
ist die angst
mein schwert
ist der tod
ich fürchte
die trennung
den scharfen schnitt
und dennoch
mein schwert
entscheidet

Verbindlichkeit
fällt dem Schwert zum Opfer.
Verzweiflung
fällt dem Schwert zum Opfer.
Verletzung
fällt dem Schwert zum Opfer.
Vergangenheit
fällt dem Schwert zum Opfer.
Erinnerung.

schlag ich
tote zweige
schlag ich
tote äste
schlag ich
tote wurzeln
ab
trenn ich
unsere fesseln
durch
blindheit
klärt sich auf

leg ich das schwert
aus der hand
schließe
die augen
spanne
kraftvoll
den bogen

1990

Abschied

02. Oktober 2007 - 21:47

Der Magier
träumt von der Liebe.
Die Nacht
hilft ihm dabei.
Der Magier
träumt sich den Tod.
Der Tod
reitet ein weißes Pferd
und trägt die weiße Lilie.

Der Tod
träumt von der Liebe.
Der Magier
hilft ihm dabei.
Die Nacht
träumt ohne Mond.

Die rote Frau
ist ohne Schlaf.
Sie wandert
in den Bergen.
Sie ließ
die Wasserbecken stehen
und sucht
der Wasser Anfang.

Der Magier
träumt von der Liebe.
Der Tod
hilft ihm dabei.
Die Nacht
ist eine rote Frau.
Sie trägt
die weiße Lilie.

ca. 1988