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archiv: Januar 2008

Aquariden V – die fremden städte

31. Januar 2008 - 20:23

7-teilige Reisestaffel

in den städten gehe ich zu fuß. ich halte den stadtplan bereit – peinlich, peinlich! – immer trag ich ihn in der hand. und doch verlaufe ich mich ständig. ich suche mich durch u-bahnschächte, tauche mal hier, mal dort wieder auf, strecke den kopf aus den geräumigen erdlöchern in die weite welt hinein. immer irritiert von der plötzlichen fülle, vom licht und von der weite. die höhe der häuser, die pracht der gebäude… die macht der angst!

das fremde und das eigene. wo ist der unterschied?

die blickrichtung vielleicht, mehr ist es kaum. die gewöhnung an den geläufigen alltag. die gemeinen wege und ziele. zuhause, in meiner eigenen stadt, gehe ich die straßen entlang und sehe auf den boden. allerhöchstens noch in die geschäftseingänge, die auslagen, die erdgeschoßfenster vielleicht. aber selten. soetwas tut man nicht. zuhause stehe ich vor den roten ampeln, den 1. gang immer schon eingelegt. und warte! im winter höre ich musik, während ich an den haltestellen stehe. und warte! auf die busse und bahnen. und ich friere. während ich warte! und warte! in meiner stadt gibt es keinen himmel. schon lange nicht mehr.

(ist es zeit… endlich zeit?)

doch auch in den fremden städten, mit den riesigen, strahlend blauen himmeln, geht meistens alles völlig daneben. wenn auch auf ganz andere art. u-bahnen bin ich einfach nicht gewöhnt und zum maulwurf denkbar schlecht geeignet. unterirdisch verliere ich die richtung – wirklich immer! – bin augenblicklich rettungslos verloren. wie blind! niemals finde ich den gesuchten ausgang auf anhieb. wieder und wieder tritt etwas ganz anderes zu tage, als ich zuvor fein säuberlich auf dem plan markiert hatte.

die großen städte sind letztendlich planlos, sie sind so gedacht, und irgendwann gebe ich auf und bleibe, wo mich der zufall hinträgt. alles in mir geschieht nach gefühl.

sehen will ich!

also laufe ich mir blasen an beiden füßen, gehe endlos an den häusern und palästen entlang. ich verirre mich in den gassen und auen und humpel dennoch weiter, bis tief in den abend hinein… ich lasse mich treiben… weil ich den ort nicht finden kann, an dem es sich zu bleiben lohnt. zu sitzen und zu sein. zu sehen. für ein paar minuten vielleicht. für ein paar stunden, ein leben lang.

doch ich mag nicht fragen. die menschen, die überall um mich herum, ich will sie nicht fragen. ich kann nicht. wonach sollte ich? ich habe keine.

ich will nur sitzen und schauen. ich will warten! (wie ich das hasse, wenn ich zuhause bin! das warten!!!) ich will gespannt sein auf ein neues -

whatever.

und wie dann mit einem mal alles anders sein kann. wie ist das möglich? ein paar schritte nur, einmal um die ecke gebogen, und alles ist wieder… gut, ich sehe… etwas, was sich zu sehen lohnt. ich setze mich also. ich bleibe noch… ein bißchen. vielleicht, diese nacht…

die fremden stimmen.

da sind auch menschen in den städten, die ich nicht kenne, in denen ich nicht wohne, oder aber nur kurz. ich erlebe sie im vorübergehen, die städte wie die menschen. sie sind so fremd, wie ihre sprache, ihre stimmen. so seltsam und neu, so unverbraucht, so unglaublich – fremd eben. eigen! und wie sie gekleidet sind. häuser in blankem stahl und glas und altem, verwitterten stein, dicht an dicht, daß es knirscht. ganz leise, aber ich kann es hören. menschen, die freier sind als ich es kenne. so leicht und so offen, so weit wie ihre stadt. fast schon fröhlich, würde ich sagen. wie sie sich bewegen. langsam und geschmeidig – anmutig! – als kämen sie gar nicht von der arbeit, zum beispiel, oder vom einkaufen, von der bank… vielleicht…

oder liegt das womöglich daran, daß sommer ist, und daß sie auch nicht von hier sind, sondern von irgendwo sonst? wo immer das auch sein mag. alles reisende! so viele sprachen höre ich – überall! – wo immer ich bin, wo immer ich bleibe, für eine kleine weile. alle welt ist unterwegs. immer auf der suche… denn es gibt sie nicht mehr, die altbekannten, eingetretenen pfade, den immer gleichen heimweg. nur den schlüssel ins schloß, drehen, und schon zuhause!

was soll das sein? und wo?

nein! sie leben nicht hier, die menschen, die ich sehe. das ist unmöglich, das kann gar nicht sein. es ist nicht ihre stadt! sie sind gäste, genau wie ich.

aber was solls? letztendlich… sie sind anders, das steht fest, sie sind lebendiger. ganz und gar beseelt von diesem ort, dieser stadt, von der fremde vielleicht. sie benehmen sich, als gäbe es das alles zuhause nicht. als würde sich das leben stets auswärtig aufhalten. überall, nur nicht zuhause, nicht bei mir, da niemals. in den eigenen 4 – 24 wänden, in meiner straße, im büro, im supermarkt um die ecke. da wartet der herbst. da schläft der winter, bis ich wieder zurück bin. und dann…

ja! nur anderswo ist alles ganz anderes. die menschen. sogar ich. so kommt es mir zumindest vor, und daran will ich mich jetzt halten. fürs 1.!

das prinzip hoffnung.

die vielen menschen, die an mir vorüberlaufen, in den städten, den anonymen metropolen, den riesigen knotenpunkten von chaos und verwirrung. und die angst! wenn ich jetzt den boden verliere oder die richtung… was dann? sie sitzen hinter mir, all die fremden, mit ihren fremden leben, ihren fremden worten, ihren eigenheiten. überall sind menschen. in der straßenbahn, im café, in u-bahnhöfen oder neben mir auf parkbänken.

und ich sitze da – irgendwo… ich weiß, daß alles anders sein müßte. das leben, die ganze welt wie neu, von heute auf morgen, an einem andern ort. möglich ist alles! ein ort wie dieser müßte es natürlich sein. zürich, zum beispiel. (oder wien! münchen???) besser wäre es auf jeden fall. alles ist besser als das, was ist. und so sitze ich und denke, daß man nur gehen müßte – endlich! – weg von da. oder weg von hier? ich weiß es nicht. auf jeden fall aber für immer.

nur wo… ?

Aquariden IV – außer mir

28. Januar 2008 - 21:02

7-teilige Reisestaffel

ich will mich nicht wiederfinden, irgendwann – zerschmettert! – am rand der großen straße. vom zufall übersehen, und bald schon vergessen. unvermutet vernichtet.

ich will nicht enden, wie sie alle enden, die dichter und die diebe, was keinen unterschied macht. diebe! und dichter…! das ist bekannt, oder? – daß ich ein dieb bin, daß ich stehle, wo es nur geht. unterwegs. gedanken und träume und hoffnungen massenhaft. meine!? oder deine!? darauf kommt es nicht an, nicht wahr? das ist dasselbe!

für die armseligkeit von ein paar worten, achtlos auf meinen weg gestreut, augenblicklich verklungen, verweht sogar – so sinnlos das alles! – verkaufe ich meine seele. nicht die deine! keine angst! das nicht, niemals! aber sonst verstoße ich ahnungslos gegen jedes gebot. rücksichtslos, wenn es sein muß. und es muß sein!!!

merkur! kleinster aller teufel, der der sonne am nächsten steht.

das versprechen, wenn ich mich recht erinnere… es ist ein traum, mehr nicht. der traum vom leben! ein kleiner klang, vielleicht, ganz am ende erst, wenn es fast schon vorbei ist. und ein langer…, langer… nachhall, wenn es besonders gut geht. ab und an. so etwas wie erinnerung. oder aber zukunft. wer weiß das schon? möglich wäre es! aber das ist auch alles! danach ist der tod und nicht einmal umsonst.

doch vorerst geht es weiter, denke ich… brennen! (bis ich ausgebrannt bin.) eine abmachung, der ich bislang gewissenhaft nachkomme. und das ende, das ist immer deutlich. immer sichtbar.

und doch nicht zu erreichen…

allzu oft schon hab ich mich um mich selbst gebracht, hab mich wortlos umgebracht. mich verschwiegen. und wo bist du? bleibst du noch? ein bißchen nur, bis ich tot bin vielleicht. mehr ist nicht verlangt.

zugrunde gehen, wie sie alle zugrunde gehen. die dichter wie die diebe. gefangen im eigenen wort, in der eigenen lüge, in dem, was sich doch nicht ändern läßt. nicht von mir zumindest. von dir vielleicht… aber das ist illusion!

oder?

ich will mich nicht so finden – irgendwann! – zerschmettert, am rand der großen straße, und rasend vor schmerz, weil ich den weg verloren habe.

weil ich das wort nicht mehr weiß.

(die liebe.)

__
zuerst erschienen bei mindestens haltbar

Aquariden III – ausbremsen

25. Januar 2008 - 17:22

7-teilige Reisestaffel

alles ist beiläufig, alles flüchtig, unter mir, hinter mir, und im nächsten moment schon vorüber. nichts ist greifbar. die wiesen und wälder, die seen und städte lasse ich links und rechts auf dem weg. sie sind wie sie sind! – und wo? – das weiß ein anderer. einer, der bleibt vielleicht, das soll es geben. einer, der warten kann. oder eine, die immer schon dagewesen ist. ich selbst bleibe nicht. ich fahre weiter. und lausche dem klang der geschwindigkeit, ein gleichbleibend monotones rauschen. ich gebe der ruhe in mir keinen platz.

nur idioten sind verschwenderisch mit zeit und raum. und demütig (weise?) genug, zu wissen, daß leere kein verbrechen ist.

ich nicht, ich weiß. (noch lange nicht.)

ich fahre weiter, immer weiter. es gibt kein ziel, bis ich stehenbleibe, keinen anderen weg, als den gerade gemachten.

spät erst, wenn auch der tag fast schon hinter mir liegt, verstummt die straße, verliert der asphalt unter mir plötzlich seine beständigkeit. ein wiederkehrender augenblick, abend für abend, ein vorgang, der (mir) mißfällt. so unpoetisch wie unvermeidbar. was soll ich sagen? ein tiefes mißtrauen hege ich gegenüber dem versprechen von kontinuität. das ist ein trügerisches geschenk. und trotzdem…

alles ist möglich im lauf der räder – nur stillstand ist eine qual.

doch der körper fordert seinen tribut, eisern setzt er die grenze. immer! und ich zahle. mit jedem kilometer wächst der schmerz. 3 stellen, der untere rücken, die rechte schulter und der nacken
dazu. doch das ist nicht alles. der fahrtwind wiegt schwer auf der brust, ist eine ständige last, die nur allzu leicht vergessen wird – mühselig verdrängt.

das tempo, die zeit. und die nacht! es ist irrsinn, noch weiterfahren zu wollen, unerträglich. die vorstellung allein… doch ich fahre noch. ein bißchen weiter nur, stück für stück, wenn auch längst kein weg mehr ersichtlich ist. wenn sich auf jeden meter aussichtslosigkeit offenbart, sogar mir selbst – irgendwann.

selbst das aufgeben, das freiwillige ausbremsen ist ein einziger schmerz. daß diese so simple entscheidung die einzige ist, die ich nicht zu treffen in der lage bin.

anhalten! und (stehen)bleiben.

runter von der großen straße und langsam langsam werden. wie anders ist es, bögen zu fahren, vorsichtig enge kurven zu nehmen und wieder in den unteren gängen zu operieren. angestrengt und vertraut, als würde ich mich erinnern. das alltagslauschen. auf die drehzahlen, zum beispiel, den klang der anderen fahrzeuge. die stimmen der menschen. auf die welt, die mit einem mal wieder existiert. und irritiert. so richten die gedanken sich aus, zwangsläufig, zielen einzig und allein auf den ort, der noch nicht gefunden ist. das dach für die kommende nacht. alles andere ist unwichtig geworden.

am ende eines tages ist das knirschen von kies die verlorene stimme einer zufälligen ankunft. ein unfreiwilliger, ein vorübergehender aufenthalt, mehr ist nicht geplant. eine pause nur. den schlüssel drehen und dann plötzlich… die stille – wie ein schwert.

rest in peace. schlafen wie ein stein.

solche nächte sind kurz. die angst, den faden zu verlieren, ist groß, die möglichkeit zumindest, das rad nicht mehr in schwung bringen zu können, allgegenwärtig. die innere eile bleibt, hockt auf der türschwelle oder unten auf dem schlafsack. hellwach! und immer – immer! – kommt die aufbruchstimmung dem erwachen zuvor. früh schon am morgen singt der asphalt, wartet der weg, der gemacht sei will auf seinen einsatz. dieser eine tag nur. dieser ton, unüberhörbar, bis tief in den traum. etwas anderes gibt es nicht.

2 räder, die sich drehen wollen. unaufhörlich! und ich folge ihnen.

ich bleibe nicht. das ist unmöglich!

daß ich es nirgends aushalten kann, daran habe ich mich gewöhnt. das ist das erbe einer anderen zeit und somit unerreichbar. doch je mehr ich mich auf den weg mache, mich bedingungslos ergebe, je weiter ich fahre, der fließenden bewegung auch in mir einen festen platz einräume. (?) desto mehr begreife ich. was verloren ist. und was geblieben. wo ich früher war.

Aquariden II – anhaltend

20. Januar 2008 - 18:28

7-teilige Reisestaffel

die erfindung des rades zum beispiel, die im alltäglichen lebt und lebt, sich dreht und dreht… immerzu im kreis herum. eine idee, die überall vorkommt, wohin ich auch sehe, wohin ich denke. wenn ich denke, dann bin ich… diese unaufhörliche, unerträgliche zirkulation um das eigene zentrum. ich weiß. eine bewegung, die dennoch vorwärts gerichtet ist, was immer es sein mag. kopflose flucht oder richtungsweisende konsequenz. das ist nichts besonderes, das ist alltag, das geht bald schon vorüber.

ich weiß es! und vergesse es gleich wieder.

daß diese lebenserhaltende dynamik im lauf der tage – der tage und monate und jahre! – nicht vorkommt. daß der schwung des rades mir nicht weiter auffällt, wenn ich termine jage, zeiten notiere und zeit verliere. und mich selbst dazu. wenn ich hilflos mein geld zu besiegen versuche. (=über die runden kommen.) daß ich die achse bin, die sich selbst nicht wahrnimmt, weil sie still steht. scheinbar. das herzstück, um das sich alles dreht.

alle tage.

auf dem weg ins büro passiere ich 7 ampeln, von denen mich regelmäßig 4 – 5 ausbremsen. auf dem weg in die vorlesung sind es nur 3, aber 2 davon erweisen sich nachhaltig als unerbittlich. wie der dozent – lehrerhaft, lächerlich! – der mich nicht sehen mag, weil er nichts zu sehen vermag. meine fragen… (habe ich denn fragen?) fragen werden nicht verstanden, nicht einmal gehört. als wäre ich blind – und nicht er! beschrieben werde ich, wie ein leeres blatt papier. vorschriftsmäßig, sinnlos verbildet, verbogen, geprägt.

doch das ist unwichtig, im grunde, das ist reine textur!

sich in den regeln vergraben. zum schutz! nur zum schutz! sich in richtlinien verkriechen. er! und ich auch! sich einfach nicht kümmern um den tiefen inneren schwung.

alle tage.

nehmen und geben und kommen und gehen und fragen und wissen. – doch! – ja! – es sind diese selbstverständlichen winzig kleinen kreisbewegungen, die mich antreiben.

was ich denke, was ich bin, was ich weiß. das ist das rad allein. mehr ist es nicht.

will ich also spüren, was es heißt, eine beständig fließende bewegung – innen! – das dahingleiten in einer einzigartigen einheit. will ich die eigene achse wieder wahrnehmen, die dynamik im kernpunkt des rades. und wind sein und wärme und asphalt. will ich auch das wort und seine fahrtrichtung erfahren, vielleicht… wohin soll ich gehen? das exakt richtige lebenstempo ist eine selten vollbrachte konstante. unhaltbar im grunde. und immerzu flüchtig.

2 räder, die mich tragen. und die große straße – weit.

das zentrum will verlassen sein. um das zentrum zu finden.

daß sich auch das denken als bewegung darstellt, als schwungrad, das, einmal in gang gesetzt, so leicht nicht wieder zu anzuhalten ist. wie das fahren, wenn es nicht unterbrochen wird, wenn es einfach anhält – fortdauert! – und geschwindigkeit keine eile mehr bedeutet. stunden um stunden, immerzu geht es weiter. der weg ist nie zuende. niemals! noch ein kleines stück vielleicht. 50 oder 100 – kilometer fressen. wenn der sprit reicht. und wenn es nicht zu voll wird. so viele, die auf demselben weg sind, die es wagen. wenn es nicht regnet. oder gar wie aus eimern gießt, daß die maschine versäuft – zwangsläufig, irgendwann. das ist schicksal. die 2radtreffen unter den autobahnbrücken, im regen. zum schutz! nur zum schutz! weiterfahren. wenn es nicht zu früh dunkel wird. viel zu früh, immer wieder…

auch das wort entfaltet sich im fahrtwind und flieht mit den stundenkilometern. wer schreibt meine gedanken mit, meine lieder? wer redet von freiheit, wenn nicht ich, in diesem moment? wer weiß… ? was bleibt, wenn alles gesagte hinter mir liegt? im straßenstaub verweht, unter die räder gekommen. fremde räder, fremde straßen, fremde länder.

nehmen und geben und kommen und gehen und fragen und wissen. – doch! – ja! – es sind diese selbstverständlichen winzig kleinen kreisbewegungen, die mich antreiben.

was ich denke, was ich bin, was ich weiß. das ist das rad allein. mehr ist es nicht.

Aquariden I – anfänge und aufbrüche

18. Januar 2008 - 22:41

7-teilige Reisestaffel

es ist schwer einen anfang zu machen. auch wenn die taschen schon gepackt sind, die notwendigen einschränkungen im grunde längst vollzogen, ist es nicht leicht. 1 paar schuhe, 1 hose, 1 handtuch, 3 t-shirts, 2 paar socken. zahnbürste und seife. das muß reichen! 3-4 bücher vielleicht. vorrangig aber ist die straßenkarte – europaweit, wenigstens, wenn nicht noch mehr.

ich will mehr!

doch orientierung erscheint ungemein wichtig in dieser 1. phase: die planung und vorbereitung einer reise. das beinhaltet eine beinah grenzenlose vorstellung von freiheit und gleichzeitig die zwangsläufig damit verbundene reduzierung auf das nötigste. das fordert mut! man kann sich verlaufen, verfahren, verlieren in all dem neuen, das wartet und wechselt, immerzu… immer neu… immer wieder… das weiß man ja! – das ist bekannt! – das bestätigen alle! – ungefragt!

die plötzliche ungebundenheit birgt gefahren tief in sich, tief in mir, einzigartige dinge… die welt ist eine sich drehende kugel.

das grundproblem dieser nur selten fließenden bewegung ist, die konzentration nicht zu verlieren, den roten faden der vergänglichkeit. trotz allem. sich zurechtzufinden in sich selbst, in der gewollten willkür des augenblicks. das ist die herausforderung.

und keine musik!!! zum glück ist das so gut wie unmöglich, aber es wäre auch störend. zwangsläufig wird dadurch das alte belebt, das vergangene, das, was längst auf der strecke geblieben ist. in musik lebt alles, was sich nicht mehr bewegt, was sich nicht mehr ändert. glücklich ist… wer vergißt… und doch ist musik der ort, wo erinnerung unwiderruflich verharrt. musik konserviert, läßt die dinge versteinern. der einzigartige klang des vergangenen zieht die fesseln eng in den ersehnten momenten der bewegung. ausgerechnet! ein altes lied auf einem neuen weg verschleiert die gegenwärtigen realitäten, macht das augenblickliche augenblicklich vergessen. also nein! besser keine musik! das muß nicht, wirklich nicht.

lieber alles anders, alles neu machen. ich selber sein und dem augenblick entgegen denken. die möglichkeiten nach möglichkeit bis auf den grund ausschöpfen. oder ersatzweise einfach nur schweigen. das kommt allemal besser als musik… diese abgenutzten muster, die altbekannten taktvollen wiederholungen.

das ist alles schon gesagt.

und schließlich… wind ist überall, und das ist genug. das singen der maschine. das leise pfeifen der geschwindigkeit. die bewegung! vorwärts?! – das ist jede richtung. und jede richtung ist richtig.

die geliebte, die straße, wie sie den weg vorzeichnet – eigenartig! – als wäre es der einzige. die letzte gangbare möglichkeit, an den planken entlang, geleitet zu werden, und im strom der allgemeinen unruhe mitschwimmen.

sommer für sommer, 2 räder und die richtung.

süden!

der beginn einer jeden reise ist immer auch ein abschied, und aller anfang birgt das denkbar höchste maß an unvertrautheit in sich. das alte schon aussortiert, fein säuberlich beiseite gelegt und für unwichtig befunden. dennoch umgibt es mich noch. mit beiden beinen stehe ich mitten im bleischwer des vergangenen winters. doch das neue beherrscht bereits die gedanken, den blick und die sicht. was bislang noch kaum in erscheinung getreten ist, läßt sich mit einem mal nicht mehr vermeiden. auch nicht vergessen. oder gar verwerfen.

illusionen, träume und die (aus)sicht auf immer ein paar 100 meter straße, die vor mir liegen.

die fahrt muß beginnen. wenn alle stricken reißen, gibt es nur einen weg… das sagt sich leicht. (im sommer.)

so ist der anfang immer das schwerste. die letzten paar meter vom haus aus bis zur maschine, und dann die wenigen vertrauten wege entlangfahren. keine 10 minuten bis das erledigt ist, abgehakt, ich weiß es genau. lange vorher. keine 10 kilometer, bis das unbekannte mich freundlich umfaßt. der moment der loslösung.

das ist das entscheidende. nicht die ankunft, die wiederkehr, der tod.