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archiv: Februar 2008

Sieh mich an!

22. Februar 2008 - 00:06

„Sieh mich an, wenn ich mit dir spreche”, brüllt es irgendwo in der Straße, aus einem gegenüberliegenden Fenster vielleicht. Ich zucke zusammen, kaum merklich. Das habe ich gelernt, damals. Den Kopf zu senken, dem Schlag auszuweichen, auch wenn es nur Worte sind. Das ist aber ganz normal, ab einer gewissen Lautstärke unvermeidlich. Ein Reflex sozusagen.

Fata Morgana

21. Februar 2008 - 15:09

Abends gegen sechs von der S9 Richtung Spandau irgendwo in der Ödnis ausgesetzt. Stadtwüstengelände, steinig und grau. Ostkreuzdämmerung. Und in der Ferne ein Leuchten, bläulich, wie mir scheint. Die Sonntagstraße.

Ach, Berlin

17. Februar 2008 - 12:53

Was machst du denn? Lockst uns eine Woche lang mit Frühling, mit Sonne und Wärme sogar. Dann reißt du langsam aber sicher die Tage in die Kälte zurück. Läßt deine nächtlichen Straßen schaudern im Wind. Nur Stein auf Stein, und dazu diese Weite. Du zeigst uns, was du kannst. Was du bist. Dein Sibirien. Wir wissen das, wir kennen dich. Bis tief in den März, in den April mitunter, spielst du mit uns. Bringst Kälte, Schnee und Eis sogar. Gnadenlos.
Was willst du? Uns besiegen? Versuch’s ruhig. Gib dir richtig Mühe. Na, los doch. Die Zeit arbeitet gegen dich, das weißt du genau. Was du auch tust, es dauert nicht ewig. Auch nicht in diesem Jahr, daran glauben wir fest. Wir halten das aus. Immer. Unsere Herzen sind warm. Und bleiben es, was du auch tust.
Bald schon hocken wir auf deinen Wiesen, an deinen Ufern. Wir lungern durch die Nächte, monatelang. Und spielen mit nackten Füßen in deinem Sand.

Aquariden VII – abschied

05. Februar 2008 - 22:55

7-teilige Reisestaffel
schwerer noch, viel schwerer, als einen anfang zu machen, ist es, ein ende zu setzen – nahezu unmöglich! doch es wird sich finden – alles! – ganz von allein. das sind erfahrungswerte…

wenn es sich wieder zu drehen beginnt, das leben… ganz langsam. die vielen räder überall – auch meine 2! vergangenheit und erinnerung und dazu das noch fremde wort. (auf dem papier?! oder doch im straßenstaub!? im straßengraben!?) unterwegs eben, auf der reise, immer auf dem sprung!

das licht und die angst und die nächte… diese nächte! und die himmel erst!

mit einem mal ist das alles weit entfernt, scheint kaum noch erreichbar. ganz plötzlich ist das so! und was gewesen ist… : das losgehen wie das ankommen, vielleicht, wenn ich glück habe… ist das wirklich so gewesen? alles nur, um dann – letztendlich! – doch wieder fortzugehen… oder zurückzukehren, so nennt man das wohl. habe ich denn eine art heimat!? – einen sinn!?

(ja! ich erinnere mich!) so fragen auch kinder.

irgendwann also ist es dann zeit. wenn das leben anfängt, sich vorsichtig wieder in bewegung zu setzen. (wozu sonst gäbe es eine vergangenheit? warum eine zukunft erfinden?) JETZT!!! das ist die zeit! keine sekunde später, keinen augenblick danach. in diesem moment fahre ich los.

die 2 räder, die mir zueigen sind. das ist alles. 2 räder, die sich unaufhörlich drehen.

und drehen…

und drehen…

bis ich zuhause bin!

und wieder das fahren und schweigen, stundenlang, eine altbekannte angelegenheit. nur diesmal mit rückwärtig ausgerichteten sinnen. kilometer für kilometer, daß es am körper zieht und zerrt – je länger, desto mehr. auch das ist mir vertraut.

(liebe ist das wort.)

heimwärts! – der weg ist vorbestimmt, auf allen karten verzeichnet, er ist immer da. es ist ganz einfach, nachzulesen, einzuüben und mit leichtigkeit zu bewältigen. bis zu 600km am tag sind kein problem, auch wenn es schmerzhaft ist. (mein rücken!) doch es ist machbar, nur darauf kommt es an. und sicher ist es. (das vor allem!)

es gibt kein zurück. nicht einmal auf dem weg zurück. (ein paradaxon! – wer hätte das von mir erwartet?!)

ich fahre also, und fahre und fahre und schweige und schweige und schweige, immerzu. das ist gut so. alles ist gut! schon bald, nach den ersten paar metern, ist es so, wie es sein muß. alles in ordnung! 2 räder, die sich drehen und drehen… aber das hatten wir schon, gleich seitenweise… immerhin, auf die art wird die gleichform spürbar. die dynamik der zeit, der tage und jahre, die vergehen. wie auch die worte…

aber keine musik! niemals musik!!! (das sagte ich auch schon, oder?) und ich will sie doch so sehr…

(wieder)hören!!!

so bin ich getrieben, werde gejagt und hinterrücks verfolgt. der weg zurück ist eine qual. während ich die worte aus dem staub der straßen sammel, die reste, die mir geblieben sind. (immer sind es reste, das weiß kaum einer… daß es nur reste sind! mehr nicht! niemals! – ist das zu fassen?!) das muß eine krankheit sein! daß ich nicht vergessen kann, daß nichts spurlos an mir vorüberzieht. die landschaft, über die ich nicht hinwegzusehen vermag. die menschen, die meinen blick nicht erwidern. und dennoch… die vielen unwichtigen kleinen dinge, sie lassen mich nicht wieder los. flüchtige elemente, die sich in mir festsetzen – ausgerechnet in mir! (nicht so die fakten, die wirklich wichtigen begriffe, die regeln und tabellen, die prüfungsrelevanten details!)

da sind doch andere unterwegs auf den straßen, heimwärts, genau wie ich. menschen, die nicht den staub durchsuchen müssen, auf ihren wegen, nach den eigenen resten fahnden. zwanghaft! menschen, die sich nicht umdrehen nach dem fremden, nach dem, was sie zurücklassen, wenn sie sich wieder in bewegung setzen.

wenn sie losfahren…

und fahren und fahren und fahren. und dabei musik hören. natürlich!

homeward bound.

wenn das andere ich ein du ist… dann sind es mehr als worte, die verloren gehen, die zurückbleiben… im staub der großen straße verweht. (die raserei!) dann ist es mehr als die zeit und so viel mehr als nur raum, den es zu überwinden gilt…

nie ist das leidenschaftspotential größer als im augenblick der heimkehr, der ankunft!? – nein, wiederkunft!!! wenn alles sich unverändert findet – scheinbar! – und nur die möglichkeit bleibt. jederzeit…

menschen sind sehnsüchtige tiere…

sie kommen wieder.

Aquariden VI – die warmen länder

03. Februar 2008 - 12:41

7-teilige Reisestaffel

wo nachts die fenster offen stehen, daß stimmen zu mir herüberfliegen, schamlos, in mein zimmer, mein bett, meine träume dringen. wo der wein rot ist wie die liebe. wo schon die nacht allein betrunken macht.

wie die nähe des meeres… das salz! und das wasser!!!

daß ich es schmecken kann, riechen und hören, beinah ständig. daß es einfach da ist! immer da! und daß ich das weiß, ohne zweifel, wie selten etwas. daß ich ganz sicher bin.

leben ist an allen ufern!

und die nähe des himmels allgegenwärtig. dieser himmel, der dicht über der erde beginnt. 130… 140cm vielleicht, allerhöchstens 150. (möglicherweise aber auch weit darunter, was weiß denn ich!?) menschenherzhöhe. des nachts zumindest – im süden! – sind die sterne bodennah. so gehe ich durch die dunklen gassen, schreite langsam die kaimauer entlang, bis hinunter an den strand, jeden abend. jede nacht trage ich den kopf durch fremde sphären, durch eine beängstigende weite, und genieße.

diese unbekannte wärme… ein paar südliche tage nur, jahr für jahr, das muß reichen. wie könnte ich ohne das… leben ausschwingen lassen… diese plötzliche langsamkeit in mir. diese stille, die selbst das ewige verschweigen zu verschweigen weiß. ohne etwas zu verheimlichen…

mein herz, eine grabstätte! – ein mausoleum des vergangenen! – mein herz…

ein verbrecher! ein dieb! ein sänger!

die klarheit eines solchen augenblicks, einer solchen stille, ist eine eigenart, die mich den kopf kosten wird! irgendwann… ich bin absolut sicher! (frag die anderen! die, die sich jetzt schon zurückziehen. vorsichtshalber.)

ist es das wert?

dieser kurze klare moment inmitten allgemeiner verwirrung – in der nacht, am tiefsten/höchsten punkt! – und die fremden himmel, rings um mich herum, überall, nach wie vor… unvermeidlich ist es, daß für eine weile das außen dem innen vollkommenen entspricht.

stillstand… (mein herz… ?) einen augenblick nur, eine winzigkeit, ein paar kleine sekundenbruchteile. vielleicht… mehr nicht, noch lange nicht. und das ist gut so!

aber ist es das wert?

die sterne, die nacht für nacht auf die erde stürzen, bis auf den boden, bis herunter zu mir…