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archiv: März 2008

Einmal Berlin, immer Berlin?

24. März 2008 - 01:19

Sowas blödes. In akuter österlicher Zwischenfeiertagshektik fand ich mich gestern, weil es eben ganz praktisch auf dem Weg lag, in einem großen Kaufhaus am Alex wieder: Papier kaufen. War halt dringend, sorry.

Das letzte Mal war ich dort, als ich Besuch aus der Schweiz hatte, der unbedingt shoppen gehen wollte. Das ist über ein Jahr her. Geändert hat sich nicht viel, vor Ort herrscht ein ziemliches Gedrängel. Auch dieses Mal.

Nach glücklich erfolgtem Einkauf ist mir der rettende Fluchtweg aus dem Kaufgewühl auf einmal von einer kleinen Horde Mensch versperrt. Möglicherweise werden an dieser exponierten Stelle gerade die weiteren Schritte durch die fremde Stadt geplant, jedenfalls ruft es aus der Mitte der Gruppe plötzlich:

„Na los, nach Berlin kommt man nur einmal!”

Ich weiß ja nicht. Ist doch eigentlich eine eindeutige Aussage, zumindest kenne ich jedes Wort dieses kurzen Satzes. Ich verstehe ihn auch. Durchaus.

Aber ich begreife trotzdem nicht, was das bedeuten soll. Einmal? War das nicht Venedig?

Norm

17. März 2008 - 12:20

[§ 1 \ Absatz 9]

Das Kind wird wieder einmal in den engen Raum gesperrt. Es schreit und brüllt empört gegen die Dunkelheit an. Gegen die verschlossene Tür, die dumpfe Angst vor dem Alleinsein, vielleicht, das reale Wissen um die Einsamkeit, bestimmt. Die Mutter dagegen tanzt den Tanz der Überlegenheit, ein uraltes Ritual, im Licht der Sonne, unbemerkt. Ganz allein dreht sie sich im Kreis, um der Enge zu entfliehen. So wird die Mutter frei, für einen Augenblick ganz frei. Von der tiefen Einsamkeit, vielleicht, von dem tatsächlichen Wissen um die Zerstörung, bestimmt. Eine falsche, kleine Sekunde lang.

Das Kind aber wird immer stiller, bis es völlig verstummt, nur noch demütig schweigend auf Entlassung, auf Erlösung hofft und bangt, den befreienden Spießrutenweg mehr als bereit ist zu gehen. Längst ist alle Wut verloren und nur die vage Erkenntnis gewonnen, daß unter fremden Großmachtsgelüsten, über alle Gewißheiten hinweg, gegen Angst und Einsamkeit allein die Verwirrung regiert.

So gewinnt die Mutter die Herrschaft, die Gefühlsgewalt im Hoheitsgebiet des Kindes mit der Leichtigkeit der Verachtung.