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archiv: Februar 2009

Hemingways Tochter – VI. Gloria

17. Februar 2009 - 21:31

Mein Vater hatte einfach Würde. Immerhin hat er sich nicht umgebracht. Er hielt den Schmerz aus.*

Gregory Hemingway stirbt im Alter von 69 an einem Herzinfarkt, in einer Zelle in einem Frauengefängnis in Florida.

Vier Tage zuvor ist er so gut wie nackt auf der Straße aufgegriffen worden, wo er sich strikt weigert, Kleid und Schuhe, die er bei sich hat, anzuziehen. Er ist jedoch geschminkt, um den Hals trägt er eine Holzperlenkette.

Eine medizinische Untersuchung zur Feststellung des Geschlechts ist nicht vonnöten. Es ist offensichtlich, daß Gregory, trotz seiner massigen, männlichen Erscheinung, weder Penis noch Hoden aufweist.

Als Namen gibt er Gloria an.

Und Hemingway natürlich, ganz der Vater.

Ganz der Sohn.

* John Hemingway über Gregory/Gloria

Hemingways Tochter – V. Frau

11. Februar 2009 - 15:56

Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben.*

Mit bespreizten Beinen gelagert, wird der erste Schnitt vom mittleren Scrotum über den Dammbereich gesetzt. Dann werden Hoden und Samenstränge abgesetzt, anschließend werden die Hoden entfernt. Die Penishaut wird unterhalb der Glans umschnitten und herunterpräpariert, sodaß der Penis schließlich hindurchgezogen werden kann.

Es erfolgt die Separierung die Eichel. Hierbei wird sorgsam auf Nerven und Gefäße geachtet, damit die Sensibilität vollkommen erhalten bleibt. Danach werden die Schwellkörper bis zum Knochen verfolgt und dort möglichst nah abgesetzt.

Es ist nicht viel Platz zwischen Harnröhre und Darm, der Raum für die neue Scheide muß erst noch geschaffen werden. Dieses geschieht mit einem weichen, aufblasbaren Platzhalter, dessen Standartgröße 13 cm beträgt. Sowohl Harnröhre als auch Schließmuskel dürfen dabei nicht verletzt werden, obwohl sich mögliche Läsionen in den meisten Fällen komplikationslos nähen lassen. Wenn es allerdings zu einer Beschädigung des Enddarms kommt, muß nachoperiert werden muß. Dabei geht oftmals Scheidentiefe verloren. In seltenen Fällen kann es sein, daß ein künstlicher Darmausgang gelegt werden muß.

Anschließend wird die Penishaut eingestülpt, Klitoris und Harnröhre werden ausgeleitet, aus den beiden leeren Hodensäcken werden die großen Schamlippen gebildet. Abschließend werden die notwendigen Nähte gesetzt.

Der Platzhalter bleibt vorerst an seinem Platz.

Zuletzt wird ein aufwendiger Verband angelegt, der alle zwei Tage gewechselt werden muß. Nach der Entlassung der Patientin ist das Tragen eines Mieders empfehlenswert, wodurch der Platzhalter am Herausrutschen gehindert wird.

Zur weiteren Weitung der neuen Scheide muß wenigstens noch 3 – 4 Monate bougiert werden.

* Ernest Hemingway, Der alte Mann und das Meer

Hemingways Tochter – IV. Gregory

05. Februar 2009 - 17:20

… die Tatsache, daß Katzen für sich selbst sorgen können, …*

Im Schatten seines (toten) Vaters.

Der Sohn, der eine, auserwählte. Er sammelt Frauen, zeugt seine Kinder, auch Söhne. Was denn sonst? Er jagt und schießt, ein Leben lang, ins Leere. Ziellos ist er, bleibt er, schreibt kein (eigenes) Wort. Wird schließlich Arzt, eher nebenbei, so wie des Vaters Vater. Er ist geübt, der Sohn, er schützt Talente vor, die ihm nicht helfen. Er flüchtet, leugnet seinen Weg.

Das ist nichts Neues, daß das Eigene sich nicht zu helfen weiß.

Irgendwann wird der Sohn, in High-Heels und Kleidchen, geschminkt und mit Perücke, in einer Damentoilette aufgegriffen. Er wird verhaftet, ist fortan geprägt. Da hilft auch keine Lüge, kein Verleugnen mehr. Gezeichnet ist vor allem der Vater, der gute Name. Das ist keine Spielerei. Darauf steht Verachtung.

Lebenslänglich.

Doch der Sohn ist tatsächlich seit jeher ein getriebener. Schon als Kind, zwischen schwimmen, fischen, jagen und all den anderen Wildheiten, stielt er seiner Schwiegermutter die Wäsche. Französische Spitze. Heimlich, soviel steht fest. Doch der Vater weiß schon bald davon. Nahtlos läßt er ihn fallen, irgendwann. Den Sohn, den einen, der sein Erbe tragen soll. Als Mann.

Und es schon trägt, als Kind.

* Ernest Hemingway, die ersten und die Letzten

Hemingways Tochter – III. Vater

01. Februar 2009 - 22:42

Los, sag es in deiner Muttersprache. Feigling!*

Eine große, doppelläufige Schrotflinte. Beidseitig geladen. Und beide Abzüge zeitgleich abgedrückt.

Der Schuß sprengt den gesamten Schädel.

Ein Unglücksfall beim Reinigen eines Gewehres. Wie man so sagt, in solchen Fällen.

Feigling, schreibt ein anderer.

Er selbst, als der eigene Vater. Auf dieselbe Art und Weise.

* Ernst Hemingway, Wem die Stunde schlägt