Helmut, Fritz und Willi
21. Oktober 2005 - 20:52Helmut Rahn, das muß man sich einmal vorstellen, handelte in den 70ern mit Gebrauchtwagen. Keine hundert Meter von meiner Wohnung entfernt. Gut, da war ich ein Kind, es war also nicht wirklich meine Wohnung. Aber ich habe da gewohnt. Und jeden Tag bin ich von da aus zur Schule gegangen, an eben jedem Gebrauchtwagenhandel vorbei. HELMUT RAHN stand in großen Lettern darüber. Keine Leuchtbuchstaben, das nicht. Nur ein einfaches Schild, gemalt vielleicht. Damals gab es so etwas noch. Der ganze Laden war auch nicht etwa ein piekfeines gläsernes Unikum. Nein, es handelte sich um eine alte Tankstelle. Die Tanksäulen waren entfernt worden, aber die extra dafür gemauerten Inseln gab es noch. Dazwischen waren die Autos geparkt, gequetscht, und ich fragte mich jeden Tag aufs neue, wie man die da hineingekriegt hatte. Oder wie man sie wieder herausbringen wollte, etwa um eines davon zu verkaufen. Oder auch nur probezufahren.
Diese Frage hat mir nie jemand beantworten können. Ich erinnere mich aber auch nicht so genau, ob ich sie überhaupt irgendwem gestellt habe.
Auch die Überdachung der alten Tankstelle, 50er Jahre vielleicht, alles ein bißchen marode, stand noch. Und hinten das kleine Hauschen, die Scheiben ziemlich blind, allesamt. Aber sonst? Alles in Ordnung. Sogar blau war das Gebäude noch, wenn ich mich recht erinnere. ARAL. Gibt es ARAL überhaupt noch? Immerhin ist das, neben ESSO und AUTO, eines der ersten Worte, die ich lesen konnte. Na ja, lesen. Es wird wohl mehr so eine Art bildliches Wiedererkennen der automobilen Vierbuchstabenfraktion gewesen sein. Nicht besonders schwer zu bewerkstelligen, keine großartige Intelligenzleistung. Das war damals, noch vor den autofreien Sonntagen.
Helmut Rahn also. Ich gebe zu, daß ich damals noch nicht gewußt habe, wer das überhaupt ist. Auch als ich dann schon richtig lesen konnte, hatte ich keinen Schimmer. Dabei war es jeden Morgen dasselbe. Erst der gepinselten Schriftzug auf der kleinen Brücke über die stinkende Berne: FREIHEIT FÜR FRITZ TEUFEL! Dann der ordentliche Schriftzug über der stillgelegten Tankstelle: HELMUT RAHN – GEBRAUCHTWAGEN ALLER ART. Und ich hatte dennoch lange Zeit nicht die geringste Ahnung, um welcherlei Helden es sich jeweils handelte.
Aber Fritz Teufel fand ich gut, so als Name.
Gesehen habe ich Helmut Rahn übrigens nie, obwohl mein Opa immer wieder mal behauptet hat, daß er persönlich dagewesen wäre. Kein Ahnung, wie er das jeweils hat wissen können, also mein Opa natürlich. Aber er hat es gewußt. Er hat überhaupt alles gewußt und alles gekonnt. Mein Opa. Natürlich wußte er auch, wer Helmut Rahn ist. Und er hat es mir erzählt, irgendwann. Ich muß zugeben, daß ich das so richtig spannend nicht fand. Ein Fußballer eben. Und jetzt ein Gebrauchtwagenhändler. Na ja, macht ja nichts. Ich habe wohl nicht richtig verstanden. Erst sehr viel später bin ich mir der wirklichen Dimension dieses Namens bewußt geworden. Und da war es zu spät, da gab es den Laden schon lange nicht mehr. Und ich ging auch längst auf eine andere Schule.
Also Helmut Rahn war ein Reinfall, der mich nicht besonders beeindruckt hat. Pech! Aber ich wollte natürlich wissen, wer denn der andere sei, der mit dem lustigen Namen. Fitz! Teufel! Aber das hat mir nie wer erklärt. Auch mein Opa nicht, der mir sonst immer antworten konnte.
Okay, das alles steht jetzt überhaupt nur hier, weil mir wer gesagt hat: Schreib doch mal über Fußball. Nein, über Ente Lippens hieß es, über den sollte ich schreiben. Ich habe dann gleich gesagt, daß ich das nicht kann.
Na ja, vielleicht noch soviel. Der Lippens wohnte damals nur eine Hausnummer weiter, er 41, wir 43. Dazwischen lag die Stichstraße mit dem Wendehammer und am Ende die gemeinsamen Mülltonnen. Meine Familie und ich, wir haben uns tatsächlich früher mit Willi Lippens die Mülltonnen geteilt. Wer kann das heute schon von sich sagen, mit Olli Kahn zum Beispiel. Und mal ehrlich, wer würde das wollen, ausgerechnet. Außerdem müßte man dafür irgendwo in München wohnen.
Du liebe Zeit.
Früher war alles irgendwie besser, sogar die Fußballer waren lustiger. Von den Politikern mal ganz abgesehen. Kennt eigentlich noch wer den Wehner?



31. Dezember 2005 - 14:11
Immer diese berühmten Persönlichkeiten. Wenn man sich dann nicht immer selbst vorkommen würde wie ein Alien wenn man nicht vor Ehrfurcht erblasst ^^
Fritz Teufel… das hatte mich neugierig gemacht und tatsächlich habe ich einen Artikel in der Wikipedia über Ihn gefunden:Wikipedia – Fritz Teufel.
Irgendwie werde ich nur den Verdacht nicht los das du inzwischen sehr gut weisst wer Fritz Teufel ist :-)
Schöne Silvester wünsche ich!
04. Januar 2006 - 01:50
so isses! bin ja inzwischen auch groß. ;-)