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Früher Frühling

25. März 2007 - 21:50

Jetzt ist meine liebste Jahreszeit. Die Nächte kühl, nein, kalt bis zum Nullpunkt. Die Tage dagegen gleißend, die Sonne schier unbezwinglich. Und alle Knospen bereit, zum Platzen prall. Wie kleine Fäuste.

In den höheren Lagen, damals, vereinzelt noch Fetzen von Schnee. Dennoch war ich mit der Yamaha die vier oder fünf Kilometer zu dir hochgefahren. Die Straßen waren frei, Ende Februar. Oder Anfang März vielleicht, ich weiß es nicht mehr. Doch wie wir draußen saßen, anschließend, im angrenzenden Park des Krankenhauses. Auf einer Bank, das weiß ich genau. Und wie wir über den frühen Frühling sprachen, unser beider liebste Jahreszeit. Das war unser Moment, unser einziger vielleicht. Ansonsten waren wir verloren, beide, im allgemeinen Getümmel. Im Kriegsgebrüll des Alltags. Nur dieser Augenblick, dieses schneidende Glück. Scharf wie Papier, noch heute. Wenn ich daran denke, wie traurig doch alles ist.

Im Sommer dann, nur ein paar Monate später. Die Nächte sind heiß, die Stimmung gedrückt. Ich lege meine Stirn an die deine, gleich in der ersten Nacht. Ich weiß, daß du nicht mehr sprichst. Doch ich spüre deinen Schrecken, deine Freude. Drei Tage vor deinem Tod.



  1. SuMuze:

    Ja! Das ist wie die Sekunde, die einen Tag zum Tag macht und ein Leben zum Leben. Intensiv genug für 86400 andere oder das x-fache davon.
    Winzige Sache: “Doch wie wir draußen saßen, anschließend,..”
    Das ‘doch’ entgeht mir. Wieso ‘doch’? Vielleicht sehe ich’s nur nicht. Aber ich denke, du magst auch kein Überflüssiges.
    Gucks dir ‘doch’ bitte nochmal an.
    Liebe Grüße
    Susanne

  2. SuMuze:

    Scusa, vergiß meinen Kommentar, ich hab’s mir noch einige Male durchgelesen und denke nun, das’doch’ paßt doch. ;-)
    Liebe Grüße
    Susanne

  3. engl:

    natürlich stimmt das ‘doch’. diese kleinen sprachhaken (konjunktionen ;-) sind meine freunde. wenn ich nicht einen schlechten tag habe und damit übertreibe. ;-)

    mit anderen kleinen dinge dagegen habe ich mehr schwierigkeiten. zwischen dem vorletzten und letzten satz stand zumn beispiel lange ein ‘Endlich.’ jetzt ist es weg, weil es mir zu vieldeutig war. aber sicher bin ich nicht.

    und: diese momente sind wie musik. raumlos und entzeitlicht.

  4. SuMuze:

    Also für mich würde ‘endlich’ etwas neues in den text einführen, ein ‘warten’, das ich vorher nicht so stark darin empfunden habe. Deswegen denke ich du hast recht, es weggenommen zu haben.

    Und ja, das übertreiben mit doch, wohl usw. kenne ich auch. Ich wollte mal einen text schreiben, der nur aus solchem quatsch besteht. Das war aber wie barfuß nußschalen aufsammeln.

    Liebe Grüße
    Susanne